Didaktik der deutschen Sprache und Literatur
print


Navigationspfad


Inhaltsbereich

Vesna Bjegac: Sprache(n) und (Subjekt-)Bildung − Eine Analyse von Selbst- und Fremdpositionierungen über Sprache(n) im Bildungskontext

Im Zuge der internationalen Schulleistungsvergleichsstudien und der Suche nach Erklärungen für das unterdurchschnittliche Abschneiden bestimmter Schülergruppen ist die Rolle der Sprache für Bildungs(miss)erfolg wieder verstärkt in den Blick der Forschung und Bildungspolitik geraten. Forderungen nach einer gezielten Sprachförderung und einer durchgängigen Sprachbildung werden von verschiedenen Seiten laut. Von diesen Maßnahmen erhofft man sich, Chancengleichheit für alle Schüler(innen) − unabhängig von ihrem sprachlichen Hintergrund − herzustellen. Zugleich wird diese Hoffnung aus einer migrationspädagogischen Perspektive heraus infrage gestellt. Kritisiert wird, dass in der aktuellen Debatte der Diskurs um Sprache und Bildung verkürzt wird. Unberücksichtigt bleibt häufig, dass Sprache mehr als ein Medium des Lehrens und Lernens, mehr als ein technisches Kommunikationsmittel ist. Sprache wird im Bildungskontext zu einer Differenzkategorie, über die Berechtigungen, aber auch Anerkennungen und Zugehörigkeiten verhandelt sowie Schüler(inne)n bestimmte Subjektpositionen zugewiesen werden (Mecheril/Vorrink 2017). Insbesondere migrationsbedingt mehrsprachige Schüler(innen) werden durch die Differenzkategorie ‚Sprache‘als Gruppe konstruiert, der etwas zu fehlen scheint, die (sprachlich) defizitär ist und die damit als sprachförder- sowie integrationsbedürftig gilt (Sitter 2015, Stosic 2017). Von derartigen Zuschreibungen und Positionierungen können stigmatisierende und diskriminierende Effekte ausgehen, die in der Regel von den Akteur(inn)en nicht beabsichtigt sind (Mecheril/Vorrink 2017).
Das vorliegende Dissertationsvorhaben untersucht, welche Positionierungen und Zuschreibungen Schüler(innen) aufgrund ihres Sprachgebrauchs und/oder ihrer Zuordnung zu Sprache(n) erfahren, wie sie diese wahrnehmen und wie sie mit diesen umgehen. Dafür wird eine wissenssoziologisch-diskursanalytische Subjektivierungsanalyse (Bosančić 2016) durchgeführt, in deren Rahmen problemzentrierte Interviews (Witzel 2000) mit ca. 20 Schüler(inne)n verschiedener Schularten geführt werden. Ziel der Arbeit ist es, den Einfluss der Positionierungen über Sprache auf die Selbstpositionierung von Schüler(inne)n zu beschreiben und aus den empirischen Ergebnissen Schlussfolgerungen für einen subjektivierungskritischen Sprachunterricht zu ziehen, in dem „weniger Macht über Andere“ (Mecheril 2010) ausgeübt wird.

 

Literatur

Bosančić, Saša (2016): Zur Untersuchung von Subjektivierungsweisen aus wissensoziologisch-diskursanalytischer Perspektive. Methodologische Überlegungen. In: Bosančić, S./Keller, R. (Hrsg.): Perspektiven wissenssoziologischer Diskursforschung. Theorie und Praxis der Diskursforschung. Wiesbaden: Springer, 95-119.

Mecheril, Paul/Vorrink, Andrea J. (2017): Chancengleichheit und Anerkennung. Normative Referenzen im Diskurs um Heterogenität und Bildungsgerechtigkeit. In: Bohl, T./Budde, J./Rieger-Ladich, M. (Hrsg.): Umgang mit Heterogenität in Schule und Unterricht. Grundlagentheoretische Beiträge, empirische Befunde und didaktische Reflexionen. Bad Heilbrunn: Verlag Julius Klinkhardt, 43-59.

Sitter, Miriam (2015): PISAs fremde Kinder. Eine diskursanalytische Studie. Wiesbaden: Springer VS.

Stošić, Patricia (2017): Kinder mit Migrationshintergrund. Zur Medialisierung eines Bildungsproblems. Wiesbaden: Springer VS.

Witzel, Andreas (2000): Das problemzentrierte Interview. In: Forum: Qualitative Sozialforschung http://www.qualitative-research.net/index.php/fqs/article/view/1132/2519 [Stand: 20.09.2017]

 

 

Kontakt und mehr

Vesna Bjegac


Servicebereich